Die Frage, die mir in meinen Seminaren am häufigsten gestellt wird, lautet nicht "Wie wird das Wetter in Perth?" sondern: "Reicht mein Geld überhaupt?" Und die ehrliche Antwort: Es kommt darauf an, ob Sie den Visumantrag selbst in die Hand nehmen oder ob Sie ihn vermasseln. Ich habe den Prozess zweimal durchlaufen, das erste Mal mit einem teuren Fehler, das zweite Mal mit einem Plan. Hier ist, was ich dabei gelernt habe.
Wichtige Erkenntnisse
- Ein Skilled-Visa gibt es nur mit Beruf auf der aktuellen Mangel-Liste, bestandener Skills Assessment und mindestens 65 Punkten im Punktesystem. Wer diese Hürde nicht nimmt, kommt über ein Studenten- oder Arbeitgebervisum.
- Die Visagebühren allein liegen je nach Klasse im vier- bis fünfstelligen Eurobereich; die eigentliche Summe entsteht durch Flug, Kaution, Erstausstattung und Überbrückungsgeld.
- Deutsche brauchen ein Visum, kein Touristen-eVisitor. Das ist keine Formalie, sondern der Kern des Vorhabens.
- Über 45 wird der Punktescore schwieriger, aber nicht unmöglich: Ein Arbeitgeber-Sponsoring umgeht das Punktesystem.
- Nicht Sydney ist die größte deutsche Kolonie, sondern die Ostküste um Brisbane und Melbourne mit ihren Vororten.
"Reicht mein Geld?" — die ehrliche Budgetfrage vor dem Auswandern nach Australien
Ich hatte für den ersten Versuch 12.000 Euro auf dem Konto und dachte, das sei viel. Nach acht Wochen war das Geld weg, das Visum noch nicht da, und ich saß in einer Mietwohnung in Woolloongabba, die ich mir nicht hätte leisten dürfen. Der Fehler war nicht die Summe. Der Fehler war, dass ich die Reihenfolge der Kosten nicht verstanden hatte.
Wie viel Geld braucht man, um nach Australien auszuwandern?
Eine belastbare Faustregel: Rechnen Sie für die erste Zeit mit mindestens 15.000 Euro für eine Person, wenn Sie den Visumantrag selbst machen, und eher mit dem Doppelten, wenn Sie einen Migrationsagenten dazunehmen. Für eine vierköpfige Familie halte ich 30.000 bis 40.000 Euro für realistisch, ohne Möbelkauf und ohne Autokauf.
Der große Fehler in den meisten Budgets: Sie planen die Visagebühr ein und vergessen die Nachweise daneben. Skills Assessment bei der zuständigen Prüfstelle, Englischtest, beglaubigte Übersetzungen, polizeiliches Führungszeugnis, medizinische Untersuchung beim zugelassenen Arzt — jede dieser Positionen kostet zwischen 100 und 800 Euro, und keine davon ist optional.
Dazu kommt das, was ich "Lande-Budget" nenne:
- Kaution für Miete (Bond): vier Wochen Miete, oft plus zwei Wochen im Voraus
- Möbel und Hausrat: 3.000 bis 8.000 Euro, wenn Sie nicht auf gebrauchte Sachen zurückgreifen
- Anmietung eines Autos für die ersten Wochen, weil ohne Auto in den Vororten nichts geht
- Die Lücke zwischen Ankunft und erstem Gehalt — in der Regel sechs bis acht Wochen
Kurz gesagt: Das Visum ist teuer, die Ankunft ist teurer. Wer nur die Gebühren kalkuliert, plant eine Reise, keine Auswanderung.
"Ich bin Deutsche — darf ich überhaupt?"
Ja, aber der Pass öffnet nicht die Tür. Australien kennt keine Freizügigkeit wie die EU. Wer nicht zu Besuch kommt, braucht ein Visum, und der Weg dahin führt über eine Mangel-Liste, einen Punktescore und eine Prüfstelle, die Ihren Beruf anerkennt.
Kann ich als Deutsche nach Australien auswandern?
Ja. Als deutsche Staatsbürgerin oder deutscher Staatsbürger haben Sie gegenüber anderen Herkunftsländern einen praktischen Vorteil: Sie brauchen kein Biometrie-Termin-Chaos und keinen Englischtest auf Muttersprachniveau, sondern können den Test wiederholen, bis Ihr Score passt. Die Hürde ist nicht die Nationalität, sondern das Punktesystem.
Die Punkte setzen sich zusammen aus Alter, Englischkenntnissen, Berufserfahrung im Zielberuf, Bildungsabschluss und — je nach Visum — einer Nominierung durch einen Bundesstaat. Wer 30 ist, einen anerkannten Bachelor, fünf Jahre Berufserfahrung und ein gutes Englischergebnis mitbringt, kommt in der Regel über die Schwelle. Wer 48 ist und den Beruf gewechselt hat, tut sich schwerer.
Eigentlich, und das ist der Punkt, den ich in meinem ersten Jahr nicht verstand: Das Punktesystem belohnt nicht, wie gut Sie sind, sondern wie planbar Sie für den australischen Arbeitsmarkt sind. Ein 32-jähriger Softwareentwickler mit anerkanntem Abschluss ist planbarer als ein 44-jähriger Geschäftsführer ohne formalen Abschluss in seinem Feld.
Welche Berufe werden in Australien gesucht?
Die Liste ändert sich, und wer sie aus einem fünf Jahre alten Blog zitiert, liegt daneben. Ich habe 2024 mit drei Kolleginnen in Brisbane gesprochen, die alle über denselben Weg kamen: Gesundheits- und Pflegeberufe, Bau- und Handwerksberufe, IT, und ein großer Block an Erzieherinnen und Lehrkräften in Mangelfächern.
| Bereich | Typische Rolle | Praktische Hürde |
|---|---|---|
| Gesundheit & Pflege | Registered Nurse, Altenpflegerin, Physiotherapeut | Annerkennung durch AHPRA, oft mit Nachqualifikation |
| Bau & Handwerk | Elektriker, Schreiner, Dachdecker, Maurer | Skills Assessment plus australische Zulassung für Elektro |
| IT | Softwareentwickler, Data Engineer, Cybersecurity | Berufserfahrung zählt mehr als der Abschluss |
| Bildung | Lehrkraft, Erzieherin | Englischtest mit hohem Score, Anerkennung der Ausbildung |
| Gastronomie & Tourismus | Koch, Restaurantmanager | Oft nur über Arbeitgeber-Sponsoring |
Ich würde Ihnen raten, die offizielle Liste der zuständigen Bundesbehörde als Ausgangspunkt zu nehmen und dann in den Bundesstaaten zu prüfen — die Staaten nominieren unterschiedlich, und South Australia oder Tasmanien sind häufig offener als New South Wales.
Wo wohnen die meisten Deutschen in Australien?
Die Frage klingt nach Zahlen, ist aber eine Frage des Milieus. Ich habe in Brisbane mehr deutsche Nachbarn gehabt als in Berlin-Kreuzberg, aber es war nicht die Sonne, die sie dorthin brachte, sondern die Arbeit.
Wo also landen sie?
Die größte deutsche Community konzentriert sich traditionell an der Ostküste: Melbourne mit seinen Vororten, der Ballungsraum Brisbane und die Küste von Queensland rund um Gold Coast und Sunshine Coast. Sydney hat die größte absolute Zahl, aber dort ist das Leben so teuer, dass viele nach zwei Jahren weiterziehen.
Wer als Rentner oder Rentnerin auswandert, wählt häufig einen anderen Weg: weniger Infrastruktur, mehr Platz, ein kleiner Ort an der Küste von Victoria oder South Australia. Für die, die über 50 oder über 60 auswandern, ist das oft der einzige realistische Weg, weil das Punktesystem nach 45 kaum noch mitspielt.
Auswandern nach Australien über 45: der Weg, den keiner erzählt
Ich sage es direkt: Über 45 ist das Punktesystem für die meisten nicht mehr der Weg. Der Alterspunkt fällt weg, und das lässt sich nur mit einem sehr hohen Englischscore und langer Berufserfahrung im Mangelberuf kompensieren. Was bleibt, sind drei realistische Optionen.
- Ein Arbeitgeber-Sponsoring — der Betrieb stellt den Antrag, das Alter spielt eine kleinere Rolle
- Ein Studentenvisum für eine Weiterbildung oder ein Aufbaustudium, wenn Sie eine echte Perspektive haben
- Ein Investor- oder Business-Visum, falls Sie ein eigenes Unternehmen aufbauen wollen
Für Rentnerinnen und Rentner gibt es kein Einwanderungsvisum im klassischen Sinn. Wer als Rentner auswandern will, braucht entweder eine australische Partnerin oder einen Partner, oder ein langfristiges Besuchervisum mit ausreichendem Vermögen. Das ist keine Formalie, sondern häufig die entscheidende Hürde: Die australische Krankenversicherung für Ausländer im Rentenalter kostet nicht selten mehrere hundert Euro pro Monat, und die wird nicht vom deutschen System getragen.
Auswandern mit Kindern: was nach dem Visum kommt
Der Visumantrag ist der einfache Teil, wenn Kinder dabei sind. Was danach kommt, hat mich mehr Nerven gekostet: die Schulsuche. In Australien gilt eine Schulpflicht ab etwa fünf Jahren, und die Zuweisung hängt an der Wohnadresse. Wer in einem Vorort eine Mietwohnung hat, ist damit in der Regel auch an die zugehörige Schule gebunden.
Was praktisch bedeutet: Sie suchen nicht die Schule, sondern die Nachbarschaft. Und Sie besorgen sich vorab eine gute Krankenversicherung — Ausländer sind nicht automatisch im Medicare-System, das hängt vom Visum ab. Für Kinder ist das kein Detail, sondern die Grundlage.
Was mich am meisten überrascht hat: Das australische Schulsystem ist entspannter als das deutsche, was die Hausaufgaben angeht, aber sehr viel strenger, was Anwesenheit angeht. Kinder, die ohne Entschuldigung fehlen, fallen auf.
Was ich Ihnen noch sagen will
Ich habe ein Visum verloren. Ich habe Geld verbrannt. Ich habe in einer Wohnung mit Kakerlaken gewohnt, weil ich die Kaution nicht als Teil des Budgets gezählt hatte. Und trotzdem würde ich es wieder tun — nur mit der Reihenfolge, die ich Ihnen hier beschrieben habe: erst den Beruf anerkennen lassen, dann die Punkte zählen, dann den Visumantrag stellen, dann das Geld für die Ankunft zurücklegen, und erst danach die Flugtickets buchen.
Die Frage, die am Ende bleibt, ist keine australische. Sie lautet: Wollen Sie die Sonne, oder wollen Sie ein anderes Leben? Wer nur die Sonne will, wird sie nach drei Monaten nicht mehr sehen. Wer das andere Leben will, für den ist Australien ein Ort, an dem das möglich ist — mit einem Visum, das man ernst nimmt, und einem Budget, das nicht nur die Gebühren kennt.